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Im Zentrum des Menschenschmuggels

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Zawiyah, Subratha, Tripoli, al-Khoms. Und Zuwara. Das sind die Namen der libyischen Städte, von denen aus viele Flüchtlinge in See stechen. Oder vielmehr: Unter Schlägen auf Boote gescheucht werden.

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147.000 Menschen sind allein 2014 von Libyen aus nach Italien geflohen. Die Kleider sind ein Beleg dafür, dass vor kurzem Migranten hier, am Schiffsfriedhof von Zuwara, auf Boote nach Europa gestiegen sind. Die Schmuggler zwingen sie bei der Abfahrt dazu, alles zurückzulassen, was sie als überflüssigen Ballast erachten.
So können sie mehr Flüchtlinge in den Booten unterbringen.

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Abends ruhen sich junge Männer wie diese Freunde gemeinsam vom Alltag aus. Sie spielen westliche Musik, rauchen, trinken. Doch das Schleusergeschäft und der Krieg sind nie weit entfernt - jeder von ihnen hat eine Verbindung dazu. Manche, so wie Titu, waren schon Mitglieder einer Miliz, die das Schmugglergeschäft bekämpft. Die "Schwarzen Masken" heißen sie, was für Titu und seine Freunde nach Heldentum und Autonomie klingt. Doch an die Hintermänner des Schmuggels sind sie nie herangekommen, sagen alle.

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Hafedh Ben Sassi

Der Bürgermeister wiegelt alles ab. Der Menschenschmuggel sei gering, die Schmuggler würden nicht von hier ablegen, die Schmuggler seien verachtete Einzeltäter. Er sagt genau das, was ein europäisches Gegenüber hören will.

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Vor allem Migranten aus den Ländern südlich der Sahara sind im Stadtbild zu sehen. Syrer, Pakistanis und viele andere werden dagegen in Höfen außerhalb der Stadt versteckt. Die „Schwarzafrikaner“ sind billige Tagelöhner und verrichten die Arbeit, die keiner tun will. Sie arbeiten auf Bauernhöfen oder auf dem Bau und verdienen sich so das Geld für die Überfahrt nach Europa.

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Manchmal geht die Fremdenpolizei gegen sie vor und verhaftet willkürlich, wer keine Papiere vorweisen kann. Damit will die Behörde beweisen, dass die Stadt etwas gegen die illegale Migration nach Europa tut - und mancher libysche Unternehmer kann sich so eine ausstehende Lohnzahlung sparen. Denn die illegalen Tagelöhner verschwinden auf Nimmerwiedersehen in den Gefängnissen.

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Die Arbeit des Roten Halbmonds

Wenn das Meer wieder Leichen an die Strände von Zuwara anspült, müssen die Mitarbeiter von Hussein Asheini die sterblichen Überreste einsammeln und bestatten.

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Obwohl uns von einem Experten erklärt wurde, in Zuwara würde nicht mehr gefischt, weil das zu wenig Einnahmen bringe, ist der Hafen voller Boote. Warum?

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Und warum ist am Eingang zum Hafengelände eine Schranke, die von einer Gruppe junger Männer bewacht wird? Gelangweilt, aber die AK-47 Gewehre immer in Griffweite. Zwei Regierungen bekämpfen einander in Libyen, Stadt kämpft gegen Stadt, die Terrormiliz Islamischer Staat gewinnt an Boden. Obwohl Zuwara für den Kampf gegen die feindlichen Nachbarstädte angeblich jeden Mann braucht, lungern die jungen Männer hier herum. Bewachen sie den Hafen oder sichern sie diese Einnahmequelle gegen konkurrierende Milizen?

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Die Küstenwache, die eigentlich den Kampf gegen die Schmuggler führen sollte, ist machtlos und hat keine Ressourcen. Die Schmuggler dagegen haben Geld, Waffen, Satellitentelefone und Boote. Durch ihre Übermacht kontrollieren sie den Hafen...

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Offizier der Küstenwache Adel Gfasr

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Niemand, so versichert man uns in Zuwara, sei am Menschenschmuggel beteiligt. Oder: Niemand wisse wo so etwas stattfinde. Oder: Alle seien dagegen. Die Kleider, die hier noch vor einigen Tagen lagen, Zeugnisse des Menschenschmuggels, sind bei einem neuen Ortstermin verschwunden. Warum hat jemand diese Spuren beseitigt?

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Mitleid, Selbstmitleid und Zorn. Die Gefühle von Titu, von den Bewohnern Zuwaras, sind gegenüber den Flüchtlingen ambivalent. Einerseits verstehen sie die Not der Menschen auf der Flucht, andererseits fühlen sie sich von ihnen gefährdet. So werden die Flüchtlinge für die Bewohner der libyschen Küstenstadt zum Ausdruck dessen, was im Land schiefläuft. Denn erst das Chaos in Libyen, das Fehlen einer staatlichen Ordnungsmacht, ermöglicht den Schmugglern das Geschäft.

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Die Toten, die Titu fand, die Frau und das Kind, konnten nicht identifiziert werden. Sie wurden hier begraben. Ebenso wie die hunderte, die seitdem angespült wurden. Um den Friedhof herum ist viel Platz, offensichtlich war er von Anfang an auf Expansion angelegt. Alle rechnen damit, dass noch viel mehr Flüchtlinge hier begraben werden.

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Epilog

Auszug aus "Perspektiven für die europäische Verteidigung 2010", herausgegeben vom EU-Institut für Sicherheitsstudien

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Autor: Alexander Bühler
Sprecher: Luise Gabel, Jens Jarisch, Andre Leipold und Johannes Theurer
Ton: Bernd Bechthold und Bettina Mikulla
Pageflow: Gregor Baron
Fotos: Alexander Bühler und Edouard Beau
Redaktion: Mareike Maage

Webdoku zum gleichnamigen Feature
http://www.kulturradio.de/zuwara

Eine Produktion des kulturradio vom rbb 2015

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