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Überforderte Städte - Kein Platz für Flüchtlinge?

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Die Prognosen, wie viele Flüchtlinge in diesem Jahr nach Deutschland kommen, schwanken zwischen 250.000 und 300.000. Viele von ihnen zieht es in die großen Städte. Doch die sind von der Zahl der Hilfesuchenden längst überfordert.

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Nach einer gemeinsamen Recherche von Inforadio vom Rundfunk Berlin Brandenburg und ZEIT ONLINE gibt es in deutschen Großstädten derzeit kaum Lösungen, wie Flüchtlinge schnell und angemessen untergebracht werden können.

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Die konkreten Probleme sehen in jeder Stadt ein bisschen anders aus: In Berlin muss die zuständige Behörde auf private Anbieter zurückgreifen, die häufig hohe Preise aufrufen, sich aber keineswegs immer an die Vorgaben halten.

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In Hamburg hingegen geben die schlichten Zahlen Anlass zur Skepsis: 5.000 neue Plätze für Flüchtlinge werden von der Stadt für 2015 zur Verfügung gestellt, erwartet werden aber viel mehr. Deswegen ist kein Platz für kreative Ideen und sozialverträgliche Eingliederung - es muss schnell Platz für viele Flüchtlinge geschaffen werden.

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In Köln wiederum fehlt es an einer Strategie: Hier sei man nur damit beschäftigt, ein "akutes Problem" zu lösen, sagt die zuständige Behörde. So kommt es dann, dass beispielsweise rund 250 Flüchtlinge in einer umgebauten Filiale eines Praktiker-Baumarktes untergebracht sind.

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Für alle Städte gilt gleichermaßen: Eine schnelle Lösung, Flüchtlinge auch für einen längeren Zeitraum angemessen unterzubringen, ist nicht in Sicht.

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Als 2012 der Ansturm der Flüchtlinge begann, war Berlin unvorbereitet. Das für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständige "Landesamt für Gesundheit und Soziales" (LaGeSo) war mit dem Problem überfordert. Es fehlten nicht nur Unterkünfte, es fehlte auch Personal, um all die Hilfebedürftigen zu registrieren, zu verteilen und um die Arbeit der Heimbetreiber kritisch zu begleiten.

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Die meisten Flüchtlinge leben in Sammelunterkünften: In Sporthallen und Heimen. Viele von ihnen werden in caritativen Einrichtungen aufgenommen. So zum Beispiel im Diakonie-Heim in Kreuzberg.

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Heimleiterin Christa Gunsenheimer beherbergte hier bis vor wenigen Tagen 147 Menschen. Mittlerweile sind es allerdings 148…

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…denn die Frau dieses Syrers hat gerade ihr drittes Kind bekommen.

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Die Flüchtlinge werden also immer mehr, im Großen wie im Kleinen. Und mit der Zahl der Neuankömmlinge wächst die Überforderung des Landesamtes für Gesundheit und Soziales...

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Auch in ihrem Heim werden deswegen beispielsweise die Qualitätsstandards viel seltener kontrolliert, sagt Christa Gunsenheimer:

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Damit kein Flüchtling auf der Straße stehen musste, vergab das LaGeSo die Sanierung, den Bau und den Betrieb von Flüchtlingsunterkünften häufig "hemdsärmelig": ohne Ausschreibung, manchmal sogar ohne Verträge. Bewährte Non-Profit-Unternehmen wie die gemeinnützige Diakonie konnten den Bedarf alleine nicht decken. Deshalb kamen auch private Unternehmer ins Spiel. Sie sind inzwischen sogar "Marktführer". Christa Gunsenheimer weiß, warum:

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Immer öfter kommen private Anbieter zum Zug, wenn es um die Unterbringung von Flüchtlingen in Berlin geht. Selbst wenn die Unternehmen in der Kritik stehen - so wie die Firma Gierso, einer der großen Player im Berliner "Flüchtlingsbusiness".

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Marina Naprushkina von der Flüchtlingsinitiative "Neue Nachbarschaft" steht mit der Firma auf Kriegsfuß. Sie hat Anzeige gegen die Gierso erstattet:

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Marina Naprushkina und die Ehrenamtlichen der "Neuen Nachbarschaft" kümmern sich um die Bewohner aus dem Gierso-Heim in der Levetzowstraße in Berlin-Moabit. Drei Mal pro Woche treffen sie sich im Cafe "Neue Heimat" zum Deutsch-Stammtisch.

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Fast alle Berliner Flüchtlingsheime sind auf die Hilfe von Ehrenamtlichen angewiesen. Auch die Gierso arbeitete in den ersten Wochen mit der Moabiter Initiative zusammen. Doch Ende 2013 kam es zum Streit. Die Initiative beschwerte sich über Mängel im Heim: verdreckte Toiletten, kaputte Duschkabinen, zu wenige Waschmaschinen, fehlende Kinderbetreuung.

Marina Naprushkina machte damals Druck:

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Und das sorgte mächtig für Ärger - für beide Seiten. Die Gierso erteilte der Flüchtlingsinitiative Hausverbot und erntete dafür Negativ-Schlagzeilen in der Presse. Die ehemalige Schule in der Levetzowstraße wurde bekannt als eines der schlimmsten Flüchtlingsheime in Berlin.

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales reagierte, machte mehrere Kontrollbegehungen und verlangte Nachbesserungen und Rückzahlungen. Eine Reaktion erst nachdem die Kritik öffentlich wurde? LaGeSo-Präsident Franz Allert sieht das anders:

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Auch das Unternehmen SoWo will ins Flüchtlings-Business einsteigen und auf einem alten Neuköllner Sportplatz eine Containersiedlung für 300 Flüchtlinge bauen. Firmenchef Michael Elias erklärt seine Motivation:

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Das Konzept der SoWo sieht zumindest auf dem Papier gut aus: Moderne funktionale Bauten, viel Gemeinschaftsfläche, Elias plant sogar, eine Kita in die Containersiedlung zu integrieren.

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Dennoch gibt es Vorbehalte gegenüber der SoWo. Der Piraten-Abgeordnete Fabio Reinhardt:

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In seiner Not sieht sich das LaGeSo gezwungen, Hostels anzumieten, in denen es die Flüchtlinge für viel Geld unterbringt. Eines davon ist das "Evo Hostel" auf der Halbinsel Stralau.

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Ein grauer, fünfstöckiger Plattenbauklotz, der gerade saniert wird. Im Garten liegen stapelweise Matratzen und Dichtungsplatten aus Schaumstoff. Betreiber Nicolai Robak will nicht mit uns sprechen. Ein Flüchtling aus Somalia kommt aber heraus und erzählt über seine Unterkunft:

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Auch im "Rixpack" - Hostel in einem Hinterhof in der Karl-Marx-Straße in Neukölln sind Flüchtlinge untergebracht.

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Im vorderen Teil des Hofs führt ein düsteres Treppenhaus zu einem kleinen Bordell und mehreren Wohnungen. Hier hatte der Hostel-Besitzer in drei Vier-Zimmer-Wohnungen zwischen 20 und 50 Flüchtlinge untergebracht. Durch einen Hinweis des Jugendamts ist der Neuköllner Sozialstadtrat Bernd Szczepanski auf eine der Flüchtlingswohnungen aufmerksam geworden. Es hieß, Kinder lebten hier unter unzumutbaren Bedingungen. Der Grünen-Politiker machte im Januar einen Kontrollbesuch.

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Und dennoch, das Land Berlin soll hier 25 Euro pro Flüchtling bezahlt haben, das gab  Hostelbesitzer Stefan Richter gegenüber Welt Online zu. Rechnet man das hoch, dann ergibt sich eine Monatsmiete von bis zu 12.000 Euro pro Wohnung - bezahlt durch Steuergelder. Von  Verschwendung könne aber keine Rede sein, meint LaGeSo-Chef Allert: im Gegensatz zum EVO-Hostel gab es mit dem Rixpack Hostel keine vertragliche Vereinbarung, hier seien Flüchtlinge nur zum Übernachten hingeschickt worden.

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Auch in Hamburg steigen die Flüchtlingszahlen täglich. Deswegen hat sich eine Gruppe von ArchitekturstudentInnen der Universität Hannover zum Ziel gesetzt, kreative Ideen zur Unterbringung von Flüchtlingen zu entwickeln. Zum Beispiel das "Floating Home" von Constantin Bruns: Er würde abgehalfterte Binnenschiffe entkernen und mit einfachen Leichtbauhäusern ausstatten. Nach seinen Plänen würden 48 Flüchtlinge auf ein Schiff passen.

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Die Idee von Marc Glugla heißt "Fill the gaps": Baulücken zwischen Häusern könnten als provisorische Wohnungen für Flüchtlinge genutzt werden.

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"Wir wohnen in einem Zug" - dieser Name lässt kaum Fragen offen. Ausgedacht haben sich das Konzept Alina Schilmoeller und Franziska Schumacher.

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Martina Freybova und Madeleine Möller nennen ihre Idee "Hochhinaus".

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Doch all diese schönen Ideen scheitern daran, dass sie auf kleine Zahlen von Flüchtlingen ausgelegt sind. Hamburg muss aber "einfach sehr schnell sehr viel Platz für Flüchtlinge schaffen", wie die dortigen Behördenmitarbeiterinnen zu bedenken geben. 

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Auch die Stadt Köln weiß nicht, wohin mit den rund 600 neuen Flüchtlingen, die jeden Monat ankommen. Also werden Hotels von der Stadt angekauft und für viel Geld umgebaut. Oder wie in einem Fall ehemalige Baumärkte. In diesem ehemaligen "Praktiker"-Markt leben mittlerweile rund 250 Flüchtlinge.

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Köln galt einst als Musterbeispiel, was den Umgang mit Flüchtlingen betrifft. Heute kann es den Behörden nur noch darum gehen, ein akutes Problem zu lösen. Sozialdezernentin Henriette Reker muss  eingestehen: Die Stadt hat kein Konzept.

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Das wiederum scheinen alle deutschen Großstädte, die sich mit dem enormen Flüchtlingsandrang konfrontiert sehen, gemeinsam zu haben.

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Kapitel 1 Überforderte Städte - Kein Platz für Flüchtlinge?

Moabit kind dsc2670

Fl%c3%bcchtlinge in hamburg 1280

Fl%c3%bcchtlinge beim lageso 1280

Treptow detail lan1261
Kapitel 2 Die Not ist immer einen Schritt voraus

Eingangst%c3%bcr lageso 1280

Schild lageso 1280

Diakonie totale lan1429

Gunsenheimer diakonie lan1423
Kapitel 3 Die Profiteure des Elends

Moabit h v kleist os lan1283

Leitung neue heimat moabit dsc2674

Fl%c3%bcchtlinge neue heimat moabit lan1313

Neue heimat moabit dsc2683
Kapitel 4 Andere Großstädte, andere Probleme

Fl%c3%bcchtlinge auf schiff transit 1280

Floating house 1280

Fill the gaps 1280

Wir wohnen in einem zug 1280
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